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Interview: Cäcilia Gernand

Cäcilia Gernand arbeitet als freie Szenografin und Szenenbildnerin und hat von 2008-2010 bei uns am Masterstudiengang Bühnenbild_Szenischer Raum studiert. Sie entwirft Film- und Bühnenarchitekturen für ARD, ZDF, den SWR und viele andere Kunden. Zudem lehrt sie mittlerweile selbst als Dozentin für Szenografie.

Du hast vorher Innenarchitektur und Szenenbild studiert – hattest du zu Studienbeginn an der TU schon deinen jetzigen Beruf im Kopf? Mit welcher Erwartung hast du das Studium begonnen? Haben sich deine Ziele während des Studiums geändert?
Ich habe das Studium mit der Erwartung begonnen meinen Blick zu erweitern, auch um mein künstlerisch-gestalterisches Anliegen mehr in meine Arbeit integrieren zu können und das Thema „Raum“ in seiner Komplexität zu erfahren und noch klarer zu begreifen.
Meinen Beruf als Filmarchitektin und Szenenbildnerin habe ich bereits vor dem TU-Studium ausgeführt. Verändert hat sich für mich die Ideenfindungs- und Konzeptphase sowie das bewusste Erarbeiten atmosphärischer Stimmungen. Ich recherchiere viel intensiver und breitgefächerter, experimentiere mehr, arbeite bevorzugt interdisziplinär, nehme z.B. Elemente aus dem Bühnenbildbereich, integriere diese in einen Entwurf und schaffe damit neue Raumzusammenhänge. Wichtig ist mir dabei, intensiv inhaltlich zu arbeiten, bevor ich eine neue Gestaltung entwickele. Meine Devise ist: Die Gestaltung entwickelt sich aus dem Inhalt und muss diesen auf sinnlicher Ebene sichtbar und erlebbar machen. Zudem fiel mir während des Studiums auf, dass ich durch meine langjährige berufliche Tätigkeit einen fundierten Hintergrund habe und gerne dieses Wissen weitergebe. Daraus ist der Wunsch entstanden unterrichten zu wollen. Inzwischen arbeite ich als Dozentin für Szenografie an einer Hochschule und veranstalte Seminare zu Themen wie Set Design, filmische Szenografie sowie experimenteller Raum. Mit den Studenten arbeite ich gerne fachübergreifend und erforsche u.a. neue Zusammenhänge zwischen Wahrnehmung, Urbanität und Raum.

Welche Schwerpunkte hast du in deinem Studium gelegt? Lag dein Interesse eher im Bühnenbild oder im Szenischen Raum? Wie hat sich dein Interesse entwickelt, vertieft?
Mein Schwerpunkt im Studium liegt beim Szenischen Raum. Mich fasziniert daran, dass dieses Fach so interdisziplinär und vielfältig ist. Es nutzt die Möglichkeiten unterschiedlicher Disziplinen aus Film, Kunst, Theater, Literatur, Grafik, Performance, Sound… Ich verstehe es als eine ganzheitliche Erweiterung des Bühnenbilds, auch um den Menschen auf einer sinnlichen, emotionalen und atmosphärischen Ebene erreichen zu können.
Zudem sehe ich darin die Möglichkeit meine künstlerisch-gestalterisch-experimentellen Interessen anwenden und erweitern zu können.

Was war das Besondere am Studium an der TU Berlin? Was hat es bedeutet neben dem Studium in eine kulturellen Metropole wie Berlin zu leben?
Das Besondere am Studium war der intensive Praxisbezug, die Internationalität der Studenten und das breitgefächerte vielfältige Angebot an Wahlfächern, Workshops und Vorträgen. Zudem hatten wir großzügige Ateliers, die wir Tag und Nacht nutzen konnten, es herrschte eine aufgeschlossene, anregende und kommunikative Atmosphäre zwischen Dozenten und Studenten. Des Weiteren fand ich es auch spannend, Dozenten zu haben, die alle aus der Praxis kamen, eine Menge an Wissen zu vermitteln hatten, Anregungen und Impulse gaben sowie die Möglichkeit, durch sie neue Kontakte zu knüpfen.
Super ist natürlich auch, dass Berlin eine kreative, innovative, anregende und vielfältige Metropole ist, die so viele kulturelle Möglichkeiten von Hoch- bis Subkultur bietet wie kaum eine andere Stadt und regelrecht dazu einlädt, selbst aktiv zu werden und sich einzubringen.

Welche Erinnerungen verbindest du mit dem Studiengang TU BBSR? Was hat dich besonders geprägt während des Studiums für dein späteres Berufsleben/deine Tätigkeit?
Besonders geprägt hat mich die intensive Beschäftigung mit dem Thema Wahrnehmung und Raum. Durch das Studium habe ich nochmals einen vollkommen neuen Bezug zu diesem Aspekt bekommen und achte bei meinen Konzepten und Entwurfsprozessen viel mehr auf diese Ebene. 2013 habe ich mit Videoperformance und Darstellendem Spiel begonnen, was mir nochmals völlig neue künstlerische Optionen eröffnet. Besonders die Komponenten Spiel- und Raumwahrnehmung geben die Möglichkeit den Raum auch körperlich spür- und begreifbar zu machen. Erst durch das „selber erfahren“ wird z.B. die Positionierung der Figuren im Raum in ihrer Sinnhaftigkeit deutlich. Diese Erfahrungen haben mich dazu angeregt, Workshopkonzepte mit den Themen Raumerfahrung, Kreativität und Partizipation zu entwickeln, da ich dort einen hohen Bedarf bei meinen StudentInnen festgestellt habe.
Besonders in Erinnerung ist mir zudem auch die lebendige und internationale Atmosphäre untereinander. Da waren die zwei Griechinnen, eine Belgierin, eine Brasilianerin und ein Schweizer die natürlich alle diese kreative, lebendige Atmosphäre mitgeprägt haben und sich mit ihrem kulturellen Hintergrund voll einbrachten, was das Ganze noch spannender machte.

Welche Tipps würdest du jemandem geben, der als freischaffende*r Szenograf*in erfolgreich werden möchte?
So viele Kontakte wie möglich zu knüpfen und keine Scheu davor zu haben Menschen anzusprechen. Zudem finde ich es wichtig auf Kolloquien zu gehen, um neue Trends, aktuelle Entwicklungen und Diskussionen mitzubekommen und im Austausch mit Kollegen zu sein, an den Theatertagen teilzunehmen und jede Gelegenheit zum Netzwerken zu nutzen.

Gibt es etwas, das du heute anders machen würdest?
Ich würde das Studium früher machen. Da ist die Chance in einen anderen Arbeitsbereich zu kommen noch um einiges größer als wenn man die 45 schon überschritten hat.

www.caecilia-gernand.de

© alle Fotos Cäcilia Gernand – Bild 1: Cäcilia Gernand, Bild 2-3: Report Mainz (ARD), Bild 4-5: Krieger und Liebhaber (Studio Hamburg Produktion), © Andrea Enderlein Bild 6: Ein Fall für Zwei (ZDF)

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