Isabella Lücke

Der gestrichene Bock

Ein Wildbret mußt allabendlich
auf einem Hoftheater sich
im Hauptakt auf das Stichwort „Schürzen“
von links aus der Kulisse stürzen.

Beim zwölften Male brach es aus
und rannte dem Souffler ins Haus,
worauf es kurzweg – und sein Part –
von der Regie gestrichen ward.

Zwei Hoftheaterdiener brachten
am nächsten Morgen den gedachten
gestrichnen königlichen Bock
per Auto nach Hubertusstock.

Dort geht das Wildbret nun herum
und unterhält sein Publikum
aus Reh, Hirsch, Eber, Fuchs und Maus
von „Rolle“, „Stichwort“ und „Applaus“.

( Christian Morgenstern )

Um herauszufinden wie die Bühnengestaltung des Stückes, der oben genannten Problematik ausgesehen haben könnte und um ähnlichen Rätseln auf den Grund zu gehen, beschäftigt sich Isabella Lücke seit 2011 mit der Gestaltung von Bühnen und Schauräumen. In ihren Werken findet ein Zusammenspiel einer kritischen Auseinandersetzung der aktuellen gesellschaftlichen Umstände, im politischen, sowie im ökologischen Sinne, mit der künstlerischen Umsetzung statt.
Die Reduzierung der Dramatik unserer Ausnutzung von Ressourcen durch Wiederverwendung, Neugestaltung und Aufwertung liegt ihr besonders am Herzen und ist ständiger Begleiter bei der Ideenfindung. Mit ihrer Arbeit möchte sie moderne Märchen erzählen. Im besten Falle wird der Zuschauer hierbei auch noch selbst zum Akteur, zum Teil der Geschichte.

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