Masterarbeiten 2026

Die diesjährigen Masterarbeiten des Studiengangs Bühnenbild_Szenischer Raum der TU Berlin präsentieren Projekte im Bereich Bühne und Kostüm zu verschiedenen Texten von Edouard Louis, von Maria Milisavljević (Staubfrau) und Dea Loher (Unschuld) bis hin zu installativen, immersiven und multimedialen Arbeiten zu frei gewählten Themen. Die Bandbreite der Arbeiten bewegt sich zwischen künstlerischer Praxis, politischem Statement und räumlicher Forschung. Die Masterarbeiten stehen exemplarisch für die Haltung und das Engagement der Studierenden, die mit ihren Entwürfen und Installationen neue Perspektiven auf den szenischen Raum eröffnen und sich für gesellschaftliche Themen positionieren.

Studierende: Reyhan Akdemir, Zoe Bertram, Eleni Drazinou, Franziska Goetschi, Mireia Guzmàn, Henrike Haber, Daria Hannig, Soffia Heese, Paulina Jarosinska, Leander Lentner, Julia Mock, Inés Peláez, Ilana Custos Quatreville, Chiara Poma Rinklef, Catharina Rodriguez, Julie Savery, Michael Schulte-Austum, Ekaterina Tiniakova

Dozierende / Mentor*innen: Prof. Kerstin Laube, Klemens Kühn, Verena Hemmerlein, Annette Müller, Maria Wolgast, Steffi Wurster, Franziska Ritter, Nele Balkhausen, Johann Jörg, Nina Wetzel

Die einzelnen Masterarbeiten im Detail vorgestellt

Ekaterina Tiniakova
Ekaterina Tiniakova
Ekaterina Tiniakova
Ekaterina Tiniakova
Ekaterina Tiniakova
Ekaterina Tiniakova
Ekaterina Tiniakova
Ekaterina Tiniakova
Ekaterina Tiniakova

“Marie,”

Bühne und Kostüm auf Grundlage der Texte
„Nussknacker und Mausekönig“ – E. T. A. Hoffmann und „Staubfrau“ – Maria Milisavljević
 / Dramaturg: Artem Obushchak

Das Zuhause schützt nicht mehr. Aus Staub wird eine Mäusearmee, aus kindlicher Angst eine Geschichte, die sich über Generationen wiederholt. Hinter Hoffmanns “Nussknacker” erscheint die Welt von „Staubfrau“: ein Alltag, in dem Gewalt fortbesteht und Fantasie und Wirklichkeit untrennbar werden. Es ist die Geschichte eines Kindes, das den Schrecken im Märchen versteckt – bis selbst das Märchen keinen sicheren Ort mehr bietet.

Ekaterina Tiniakova
Masterbetreuung: Prof. Kerstin Laube, Verena Hemmerlein

Leander Lentner
Leander Lentner
Leander Lentner

„Trägst du keine Schuld, trag ich dich nicht weiter“

Bühne und Kostüm zu Dea Lohers Unschuld

Dea Loher zeichnet in Unschuld Figuren, die zwischen systemischem Versagen und individueller Schuld nach Sinn, Erlösung und Verbundenheit suchen. Als isolierte, gesellschaftlich verlassene Gestalten richten sie ihren Frust gegen sich selbst und ihr Umfeld. Der Bühnen- und Kostümentwurf verbindet prekäre Lebenswelten, harsche Industriearchitektur und Jahrmarktselemente zu einer exponierten, rauen Welt, bevölkert von grotesken Figuren, deren Lebensrealitäten sich schicksalhaft kreuzen.

Leander Lentner
Masterbetreuung: Prof. Kerstin Laube, Maria Wolgast

Michael Schulte-Austum
Michael Schulte-Austum
Michael Schulte-Austum

Und so fühlte ich mich wie im Paketzentrum

Herzlich willkommen! Schön, dass Sie da sind! Als neuer Mitarbeiter werden Sie schnell feststellen, dass nicht immer sofort ersichtlich ist, wo etwas herkommt, wohin es gehört oder warum es überhaupt hier gelandet ist. Beachten Sie einfach die Hinweise auf den Sendungen und vermeiden Sie vorschnelle Zuordnungen. Wir arbeiten hier im Akord. Manchmal steigt einem das alles zu Kopf, aber so ist das halt. Ich weiß, das ist alles ganz schön viel für den ersten Tag. Konzentrieren Sie sich zuerst darauf, dass alles in Bewegung bleibt. Alles Weitere ergibt sich dann. Noch Fragen?

Michael Schulte-Austum
Masterbetreuung: Steffi Wurster, Johann Jörg

Franziska Goetschi
Franziska Goetschi
Franziska Goetschi
Franziska Goetschi
Franziska Goetschi
Franziska Goetschi
Franziska Goetschi

Spurensuche

Bühnen- und Kostümbild zu Staubfrau von Maria Milisavjević

Ein Bühnen- und Kostümkonzept, das sich Maria Milisavjevićs Staubfrau aus einer archivarischen Perspektive nähert. Frauen erzählen die Geschichten nach, die erzählt werden müssen, und legen dabei die Spuren frei, die patriarchale Gewalt und gesellschaftliche Erwartungen in Körpern, Generationen und Biografien hinterlassen. Die Inszenierung versteht sich als Akt der Zeugenschaft: Erinnerungen werden gemeinsam rekonstruiert. Zwischen kontrollierter Natur und wildem Wachstum, zwischen Verdrängung und Erinnerung entsteht ein Raum, der individuelle Erfahrungen mit ihren strukturellen Ursachen verbindet.

Franziska Goetschi
Masterbetreuung: Maria Wolgast, Verena Hemmerlein

Ilana Custos Quatreville

Vom Archiv zur Bühne

Bühnen- und Kostümbild für Die Freiheit einer Frau von Edouard Louis

„Alles begann mit einem Foto. […] Ich finde kaum Worte, um es zu beschreiben, aber alles an ihrer Haltung, ihrem Blick und der Bewegung ihrer Haare vermittelt auf diesem Foto ein Gefühl von Freiheit, von unendlichen Möglichkeiten, die vor einem liegen, und vielleicht auch von Glück.“ — Édouard Louis, Die Freiheit einer Frau (2021) 

Beim Lesen der ersten Zeilen von Édouard Louis’ Roman musste ich an Fotografien meiner Mutter denken. Sie wurden zum Ausgangspunkt dieser Arbeit im Bühnen- und Kostümbild, die aus Archiven, Erinnerungen und überlieferten Geschichten hervorgegangen ist.

Ilana Custos Quatreville
Masterbetreuung: Klemens Kühn, Nina Wetzel

Soffia Heese
Soffia Heese
Soffia Heese
Soffia Heese
Soffia Heese

SPLITTER & GANZ

Tanzproduktion der Kinder- und Jugendtanzcompany von Sasha Waltz & Guests.

Wer bin ich? Was ist Identität? Und wie entsteht sie? Choreografie, Musik, Kostüm, Szenografie und 31 Jugendliche haben sich gemeinsam diese Fragen gestellt. Dabei zeigte sich: Wenn wir unseren Fokus nicht zu eng auf Individualität stellen und stattdessen weiter herauszoomen, werden die Beziehungen und Verbindungen sichtbar, in denen Identität entsteht. Und plötzlich kann man einen Sternenhimmel aus Hoodies flüstern hören: Sind wir nicht alle und alles miteinander verbunden? Und hat dann nicht alles potenziell Anteil daran, wer du jetzt gerade bist?

Soffia Heese
Masterbetreuung: Verena Hemmerlein, Prof. Kerstin Laube
Fotos: Eva Radünzel

Chiara Poma Rinklef
Chiara Poma Rinklef
Chiara Poma Rinklef
Chiara Poma Rinklef
Chiara Poma Rinklef

Eine Band betritt die Oper

Konzertdesign für das 10-Jahres-Jubiläumskonzert der Band Rikas in der Stuttgarter Staatsoper

Eine Band, die einst mit Gitarren und einem Interrail-Ticket auf Europas Straßen begann, betritt die Stuttgarter Staatsoper. Zehn Jahre Bandgeschichte – erzählt als Konzerterlebnis. Der Abend ist in zwei Hälften geteilt: Die Erste ein Tagtraum, mit Schattenwand und Erzählstimme. Die Zweite eine Show: Showtreppe, Glitzer, Retro-Glamour. Dazwischen eine Pause. Und die Frage, wie viel Narration ein Live-Moment verträgt, und wie viel Popkonzert eine Opernbühne.

Chiara Poma Rinklef
Masterbetreuung: Franziska Ritter, Annette Müller

Julie Savery
Julie Savery
Julie Savery
Julie Savery
Julie Savery

Sensitive Machines

Das Masterprojekt untersucht Funktionalität und Produktivität als prägende Konzepte der Moderne. Kraftwerkzeuge verkörpern diese Funktionalität: Mit ihnen bohren wir in den Produktivitätsfetisch. Dafür werden Werkzeuge und gefundene Materialien aus ihren gewohnten funktionalen Kontexten gelöst und neu zusammengeschraubt. Mittels hybrider Objekte und Kostüme entsteht eine spekulative Cyborg-Welt, in der sich die Beziehung zwischen Körper und Maschine destabilisiert. 

Julie Savery
Masterbetreuung: Prof. Kerstin Laube, Annette Müller

Die Figur als Objekt

Das Masterprojekt übersetzt die fragmentarischen Charaktere aus Dea Lohers Unschuld in Objekte, die ihre symbolischen Zustände sichtbar machen. Die Installation zeigt Menschen am Rand der Gesellschaft nicht als psychologische Figuren, sondern als materielle Verdichtungen von Scheitern, Sehnsucht und sozialer Kälte. Eine zusätzliche Ebene aus Stimmen ermöglicht Besucher*innen, die Objekte selbst zu verstehen: Textfragmente und sprachliche Splitter öffnen individuelle Zugänge und machen die Figuren über Klang, Raum und Assoziation erfahrbar.

Julia Mock
Masterbetreuung: Prof. Kerstin Laube, Steffi Wurster

Anleitung ein anderer zu werden

Eine Fashion-Show-Performance auf dem Alexanderplatz
Édouard Louis’ Texte verhandeln Fragen von Herkunft, Identität und Klassengewalt: Themen, die uns alle betreffen. Doch obwohl seine Werke längst auf Bühnen und in Buchhandlungen angekommen sind, bleiben sie oft nur diesen kulturellen Räumen vorbehalten. Dabei besitzen sie eine gesellschaftliche Dringlichkeit, die über diese Räume hinaus erfahrbar werden muss. Diese Masterarbeit sucht nach einer Antwort auf dieses Dilemma: Sie überführt Louis’ Themen in den öffentlichen Stadtraum und macht sie dort als kollektives Spektakel zugänglich. 

Daria Hannig
Masterbetreuung: Klemens Kühn, Franziska Ritter

Paulina Jarosinska
Paulina Jarosinska
Paulina Jarosinska
Paulina Jarosinska
Paulina Jarosinska
Paulina Jarosinska
Paulina Jarosinska
Paulina Jarosinska

Fische können unter Wasser atmen

In einer Nasszelle, gefangen in einem Netz aus Erwartungen, Fremd- und Selbstkontrolle. Frei nach Motiven aus Staubfrau von Maria Milisavljević zeigt die Installation, wie diese Erwartungen, übersetzt in den Umgang mit Putzgegenständen, das Handeln erschweren. Dort entsteht die Sehnsucht, sich aus diesem patriarchalen Netz zu befreien, der Gravitation zu trotzen und frei atmen zu können, wo andere ersticken würden. Die Sehnsucht danach, einfach loszulassen und gegen den Strom zu schwimmen.

Paulina Jarosinska
Masterbetreuung: Maria Wolgast, Prof. Kerstin Laube

Häutungen

Raum- und Kostüminstallation nach Édouard Louis’ Anleitung ein anderer zu werden

Die Installation übersetzt Édouard Louis’ Erzählung sozialer Transformation in einen begehbaren Hautraum. Aus einem Kleiderschrank abgezogene Latexhäute formen eine räumliche Erweiterung des Körpers zwischen Erinnerung und Herkunft. Im Zusammenspiel mit konservierten Kleidungsfragmenten entsteht ein Gefüge aus Spuren, Brüchen und Überlagerungen. Transformation erscheint dabei nicht als Neubeginn, sondern als Häutung: Frühere Versionen des Selbst bleiben in der neuen Form eingeschrieben.

Reyhan Akdemir
Masterdozierende: Klemens Kühn, Nehle Balkhausen

Landscape of diverse knowledge 

Diese Installation ist eines der Ergebnisse des Intergenerational Climate Resilience Lab. Grundlage ist ein World Café, das ältere Erwachsene und Studierende mit Migrationserfahrung zusammenbrachte, um gemeinsam über Klimawandel, Einsamkeit und gesellschaftliche Resilienz zu diskutieren. Die gezeigten Ideen und Beiträge machen vielfältige Perspektiven sichtbar und verdeutlichen die Bedeutung partizipativer Forschung. Die Installation fragt, wohin diese Ideen gehen: Manche regen zur Selbstreflexion an, manche erreichen politische Entscheidungsträger*innen, andere verschwinden oder zirkulieren weiter durch Gesellschaft und Zeit.

Inés Peláez
Masterbetreuung: Annette Müller, Franziska Ritter

Catharina Rodriguez
Catharina Rodriguez
Catharina Rodriguez
Catharina Rodriguez
Catharina Rodriguez
Catharina Rodriguez
Catharina Rodriguez

Nabelgarten

Der Bauchnabel ist die erste Narbe des Körpers, die Spur einer Verbindung, die durchtrennt wurde, bevor wir wussten, dass wir einen Körper haben, der anderen gehört. Im Nabelgarten werden Negativabdrücke echter Bauchnäbel zu einer Landschaft aus Bergen. Jede Form trägt die Geschichte einer Frau: was sie gelernt hat, ohne dass es ihr jemand beibrachte, Gesten, Normen, Scham. Wie ein botanischer Katalog verzeichnet diese Installation, was so selbstverständlich erscheint, dass es kaum als Übertragung erkennbar ist. Das Ungeheuerliche ist nicht die Ausnahme. Es ist die Regel, wenn sie perfekt funktioniert.

Catharina Rodriguez
Masterbetreuung: Maria Wolgast, Prof. Kerstin Laube

WAS BLEIBT

Bühnen- und Kostümentwurf zu Staubfrau von Maria Milisavljević

Geprägt von patriarchalen Gewaltstrukturen verhandelt die Arbeit, was erinnert, weitergetragen und im Körper eingeschrieben wird. Vergangenheit und Gegenwart fließen ineinander, innere Gedankenräume werden schlagartig vom Alltag durchkreuzt, während Stimmen verschiedener Generationen miteinander in Dialog treten, einander widersprechen und unterschiedliche Wahrheiten nebeneinander bestehen. In einer körperlichen Recherche werden die kraftvollen Bildwelten und Metaphern des Textes durch Stimme, Bewegung und Präsenz übersetzt. So entsteht zwischen individueller Erfahrung und kollektiver Kraft eine offene Versuchsanordnung für eine mögliche szenische Umsetzung.

Zoe Bertram
Masterbetreuung: Prof. Kerstin Laube, Maria Wolgast

Lena Drazinou
Lena Drazinou
Lena Drazinou
Lena Drazinou
Lena Drazinou
Lena Drazinou
Lena Drazinou
Lena Drazinou
Lena Drazinou
Lena Drazinou

“Mona Lisa Overdrive”

eine Sammlung digitaler Nutzer

In einer Realität, in der alles und jeder digital überwacht wird, wird 3Jane – ein digitales Wesen – zur Sammlerin. Diese Installation ist der Ort, an dem sie ihre Sammlung digitaler Nutzer aufbewahrt. Diese werden von lebenden Wesen in Stein verwandelt und von Stein in eine einzige Maske. Die Installation greift auf mehrere Figuren aus William Gibsons Buch “Mona Lisa Overdrive” zurück, um die Beziehungen zwischen der Materialität des Körpers und der Immaterialität von Daten im Kontext des digitalen Kapitalismus zu untersuchen.

Lena Drazinou
Masterbetreuung: Klemens Kühn, Maria Wolgast

21:54 

„Nur Mut. Ich gehe. Ich werde dich verlassen.“ Schreibt Maria Milisavljević in ihrem Stück Staubfrau. Der gefährlichste Ort im Leben einer Frau ist das eigene Zuhause; die Entscheidung zu gehen der gefährlichste Zeitpunkt in einer missbräuchlichen Beziehung. Wie auch das Stück untersucht die Ausstellung patriarchale Strukturen, die Femizide begünstigen und ermöglichen. Dabei bemüht sie sich, Alternativen aufzuzeigen, das eigene Handeln und die Wahrnehmung zu reflektieren sowie zur Veränderung zu ermutigen. 

Henrike Haber
Masterbetreuung: Prof. Kerstin Laube, Annette Müller

Mireia Guzmán
Mireia Guzmán
Mireia Guzmán
Mireia Guzmán
Mireia Guzmán
Mireia Guzmán
Mireia Guzmán
Mireia Guzmán
Mireia Guzmán
Mireia Guzmán

Die Freiheit einer Frau

Eine abstrakte Küche erscheint als falscher, unbenutzbarer Raum. In einer Atmosphäre des Stillstands kreisen Stimmen, Bilder und fragile Miniaturen zwischen Erinnerung, Gewalt und dem Wunsch nach Befreiung. Ausgangspunkt ist Édouard Louis’ Roman Die Freiheit einer Frau. Die Installation macht erfahrbar, wie Scham das Verhältnis von Édouard und seiner Mutter Monique zum eigenen Leben, zur Herkunft und zum eigenen Selbst prägt. Dabei wird Scham als sozial verankertes Phänomen sichtbar.

Mireia Guzmán
Masterbetreuung: Klemens Kühn, Steffi Wurster

Mitwirkende an den Audiospuren:
Olivia Stahn – Stimme Monique
Emil Lug – Stimme Édouard
Birte Gerstenkorn – Tonaufnahmen und Mischung
Uta Hörmeyer – Dramaturgie
Mireia Guzmán – Regie

Fotocredits: Mireia Guzmán