Am 19. September 2026 eröffnete im LWL-Preußenmuseum Minden die neue Dauerausstellung „Potzblitz Preußen!“. Für unseren Studiengang ist das ein besonderer Anlass: Die Ausstellung geht auf ein Projekt des Masterstudiengangs Bühnenbild_Szenischer Raum der TU Berlin zurück. Der Entwurf unserer damaligen Studierenden Jakob Blazejczak, Lukas Kesler und Anne Kummetz (Dozent: Johann Jörg) bildete die Grundlage für die spätere Ausführungsplanung durch Filamente und prägt damit die Gestaltung der neuen Dauerausstellung.
Museumsleiterin Dr. Sylvia Necker formulierte den Anspruch der Ausstellung:
„Eine Ausstellung über Preußen kann heute nicht bei einer scheinbar eindeutigen Erzählung stehen bleiben, es braucht dringend neue Perspektiven. Dazu gehört auch, Museen als Orte des Diskurses zu verstehen, die die Möglichkeit haben, Objekte zu Dreh- und Angelpunkten einer Debatte werden zu lassen.“
Geschichte räumlich erfahrbar machen
In Kooperation mit dem LWL-Preußenmuseum entwickelten die Studierenden szenografische Konzepte, die preußische Geschichte jenseits bekannter Bilder und Klischees räumlich erfahrbar machen sollten. Innerhalb von drei Monaten entstanden fünf Entwürfe, die im Januar 2018 mit Modellen in Minden öffentlich präsentiert wurden. Der wissenschaftliche Beirat empfahl die Arbeit von Jakob Blazejczak, Lukas Kesler und Anne Kummetz zur Weiterentwicklung: Ihr Entwurf überzeugte durch einprägsame Raumbilder, die überraschen, Neugier wecken und Bezüge zur Gegenwart eröffnen.
Den Anstoß zur Kooperation gab Prof. Dr. Gerhard Kilger, der die damalige inhaltliche Neukonzeption des Museums begleitete. Er beschrieb die Zusammenarbeit mit der TU Berlin 2018 so:
„Dafür wurden ganz neue Schritte der Planung gewählt, die ein Zusammenwirken von erfahrenen Experten mit jungen Kreativen möglich macht. Für dieses Experiment ist der Studiengang Bühnenbild_Szenischer Raum an der TU Berlin die beste Wahl gewesen.“
Mit Hilfe einer Dampfmaschine werden Blitze erzeugt, die den Besucher schon im Foyer überraschen und in die Ausstellung hineinziehen. In einem rot erleuchteten Raum blickt der Besucher durch einen Glasboden auf tausende Zinnsoldaten in Kriegs- und Friedenszeiten. Diese eingängigen Raumbilder sollen den Besucher in Erstaunen versetzen und ihn motivieren, die angesprochenen Themen zu vertiefen. Hier werde ein Bild „Preußen in Westfalen“ geschaffen, das nicht in der Historie verharre, sondern aus ihr heraus die Brücke ins Heute schlage und politischen Diskurs anrege, hieß es im Beirat.
Vom praxisnahen Reallabor zur frisch eröffneten Dauerausstellung
Dampfmaschine und Pickelhaube in der Eingangshalle sowie die große Bodenvitrine im Themenraum „Soldatenleben“ begegnen den Besucher:innen auch in der nun eröffneten Ausstellung. „Potzblitz Preußen!“ führt in 17 Themenräumen durch 400 Jahre preußische Geschichte. Auf 500 Quadratmetern erzählen über 180 Exponate von Alltagswelten und Schule, jüdischem Leben, Migration, Wissenschaft und technischen Innovationen. Zu sehen sind unter anderem eine historische Schulbank, ein Strahlen-Elektroskop aus dem Labor von Lise Meitner, eine Thermoskanne und ein Kaiserpanorama. Eine Dienstmagd, ein Soldat, eine jüdische Salonnière und weitere reale und fiktive „Geschichtenträger:innen“ eröffnen persönliche Zugänge zu den Themen; Hörstationen und Mitmachangebote laden dazu ein, selbst aktiv zu werden.
Wir freuen uns, dass aus der Entwurfsarbeit im Studium ein solcher Ort geworden ist. Die Eröffnung zeigt, wie studentische Ideen über das Seminar hinauswirken und die Gestaltung einer dauerhaften Ausstellung prägen können.
Projektbeteiligte
- Entwurf: Jakob Blazejczak, Lukas Kesler, Anne Kummetz, damals Studierende des Masterstudiengangs Bühnenbild_Szenischer Raum, TU Berlin
- Dozent: Johann Jörg
- Initiierung der Hochschulkooperation: Prof. Dr. Gerhard Kilger
- Konzeption, Kuration und Projektleitung der Dauerausstellung: Dr. Sylvia Necker
- Ausführungsplanung Filamente
- Kooperationspartner: LWL-Preußenmuseum Minden, Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Ausstellung
- Eröffnung: 19. September 2026
- Ort: LWL-Preußenmuseum Minden, Simeonsplatz 12, 32427 Minden
- Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen, 10–18 Uhr



