Ein Realisierungsprojekt der Masterstudiengänge Bühnenbild_Szenischer Raum und Architektur der Technischen Universität Berlin in Kooperation mit dem Stegreif Orchester Berlin
In Kooperation mit dem Stegreif Orchester – ein improvisierendes Sinfonieorchester aus Berlin – gestalteten TU Studierende auf dem geheimnisvollsten Berg der Stadt eine klingende Zeitreise als Konzertparcours und kollektive Erfahrung. Die SKY CONCERTS in der ehemaligen Abhörstation des Kalten Krieges und heutigen Street Art Gallery entstehen unter Leitung der Dozentin Franziska Ritter mit 18 Studierenden der Masterstudiengänge Bühnenbild_Szenischer Raum sowie Architektur der Technischen Universität Berlin. In interdisziplinären Teams entwickeln und realisieren die jungen Nachwuchsgestalter*innen eine Konzert-Inszenierung für die verschiedenen Stationen mit Licht- und Soundinstallationen, medialen Projektionen, Choreografien, Kostümen sowie Vermittlungsformaten für ein immersives Publikumserlebnis.
Vier szenische Klangstationen werden zu einem Wandelkonzert
In kleinen Gruppen durchstreift das Publikum den Berg über dreieinhalb Stunden, von Klangstation zu Klangstation, durch Räume, die seit Jahrzehnten schweigen. Zwischen Street Art Gallery und dem kathedralenartigen Nachhall der Kuppeln der ehemaligen Abhörstation tauchen kammermusikalische Ensembles unvermittelt auf. Was erklingt, ist nicht reproduzierbar – es entsteht aus dem Ort, im Moment, mit diesem Publikum.
An den verschiedenen Orten werden Ausschnitte von den Metamorphosen von Richard Strauss, Sechs Bagatellen von György Ligeti, Koyunbaba von Carlo Domeniconi, Stille Musik von Alfred Schnittke aufgeführt, rekomponiert, improvisiert und durch eine individuelle Gestaltung in Szene gesetzt. Zum gemeinsamen Finale des Abends vereinen sich alle Gruppen in der ehemaligen Kantine des Teufelsbergs für das Konzert feel:free mit der großen Besetzung des Orchesters.
Termine: 4 Aufführungen, 09.–12. August 2026
Ort: Abhörstation Teufelsberg, Teufelsseechaussee 10, 14193 Berlin
Die fünf Projekte
Jede der vier Klangstationen sowie die Publikumsführung durch den gesamten Konzertparcours wurden von einem eigenen studentischen Team konzipiert und gestaltet – von der Rauminstallation über Licht, Sound und Kostüm bis zur Dramaturgie der Besucher*innenführung.
„Koyunbaba“ Carlo Domeniconi – Beatgarten
Koyunbaba („Schafvater“) geht auf einen türkischen Heiligen und Mystiker des 15. Jahrhunderts zurück, der der Überlieferung nach im Hirtenleben wirkte und sich durch eine besondere Gottesfürchtigkeit auszeichnete. „Koyunbaba“ ist auch der Name einer Region an der Ägäisküste der Türkei. Domeniconi schrieb seine Gitarrensuite op. 19 unter dem Eindruck dieser Landschaft: Sonne, Stille, Weite und eine langsam wachsende Intensität, die sich in vier Sätzen entfaltet – von einer traumartigen Eröffnung bis zu einem mitreißenden, treibenden Finale. Die vielen Varianten der Herkunftsgeschichte dieses sagenumwobenen Werks inspirierten das Team im Beatgarten zu einer einleitenden Sound- und Videoinstallation, die Aspekte von Religiosität, Naturgewalt, Heiligtum erlebbar macht.
Inszenierung: Joy Dourmashkin, Luise Krüger, Hanna Kritten Tangsoo
Stückentwicklung: Michael Riemer
Ash Vectors – Verbrennerraum
„Silence is the darkness of music; darkness is the silence of fire; ash is the data of silence.“ Ausgehend von dieser Denkfigur verwandelt die Performance den historischen Verbrennerraum auf dem Teufelsberg in ein archaisches Sprachmodell: Wo einst abgehörte Worte verbrannten, spiegelt die Installation die Funktionsweise heutiger Datenzentren und KI-Systeme wider – das Verdauen von Sprache und Bedeutung. In einer Choreografie aus programmiertem Licht und 4-Kanal-Raumklang agiert Performer David Fernández am Cello als menschliches Bindeglied. Ausgehend von Schnittkes Stiller Musik übersetzt er die klanglichen Trümmer der Spionagestation in eine immersive Erfahrung – eine künstlerische Meditation über Überwachung, Erinnerungskultur und das Verstummen von Sprache. Die Performance nutzt Dunkelheit, Nebel, Stroboskop-Effekte und laute Klänge.
Stückentwicklung & Performance: David Fernández
Inszenierung: Sophie Leypold, Ayman El-Sakrane
„Metamorphosen“ Richard Strauss – Galerie
Der Titel Metamorphosen verweist auf die kontinuierliche Verwandlung des erst am Ende enthüllten Zitats aus Beethovens Eroica-Trauermarsch. Ursprünglich als Septett für Streicher konzipiert und später zum Werk für 23 Solostreicher erweitert, schrieb der gealterte Strauss die Musik 1945 unter dem Eindruck der im Krieg zerstörten Kulturstätten – für ihn der Untergang der abendländischen Hochkultur. Als Bekenntnis zur Wiener Klassik entwarf er die Metamorphosen als intimes Mahnmal und Klagegesang für das zerstörte Dresden und die Meister der deutschen Musik. Das studentische Team in der Galerie beschäftigt sich musikalisch-szenisch mit dem (kritischen) Umgang mit Tradition und Historie, Erinnerungskultur, Freiheitsdrang, Fragen einer ungewissen Zukunft und dem Mut zur Veränderung.
Inszenierung: Parnian Naiieri, Eva Patramani, Steffen Suhr, Fatemeh Heidari, Arthur Lopes Capelo de Matos
Musikalische Leitung: Sebastian Caspar
„Sechs Bagatellen“ György Ligeti – Kuppel
Ligetis Sechs Bagatellen verarbeiten Sätze seiner Klavierkomposition Musica ricercata und gelten als Meilenstein der modernen Bläserkammermusik. 1953 unter dem restriktiven stalinistischen Regime Ungarns komponiert, spiegeln sie eine intellektuelle Emanzipation wider: Ligeti tastete sich von minimalem Tonmaterial schrittweise zu komplexer Chromatik vor. Musikalisch zeichnet sich das Bläserquintett durch scharfe rhythmische Asymmetrien, ungarische Folklore-Metrik und explosive Dynamik aus, im Kern ein Spannungsfeld aus sprühendem Witz und tiefem Trauma. Das Team inszeniert die Radarkuppel als ambivalenten Wahrnehmungsraum, in dem Sehen und Hören, Beobachten und Abhören ineinandergreifen, und übersetzt Ligetis kompositorische Prozesse in ein visuelles Spiel aus Dialog, Echo, Annäherung und Auflösung.
Inszenierung: Luise Körber, Anna Lena Höink, Anna Mattea Iverec, Sophia Schrölkamp, Alicia Quigley, Lorenz Willkomm
Musikalische Leitung: Helena Montag
Publikumsführung – Der Konzertparcours
Zwischen den vier Klangstationen führen „Hosts“ das Publikum über das weitläufige Gelände des Teufelsbergs: durch die ikonischen Kuppeln der ehemaligen Abhörstation, vorbei an Rauminstallationen, hin zu immer neuen Perspektiven auf einen Ort voller Geschichte. Das Konzept für diese Publikumsführung choreografiert die den gesamten Konzertparcours dramaturgisch und räumlich und bildet damit den roten Faden des Abends.
Konzept Publikumsführung: Sepideh Yekehbash, Somayeh Ahemeh
Hosts: Lorina Strange, Somayeh Ahemeh, Maya, Lea Hladka, Franziska Ritter, Gineke Pranger, Sarah Ströbele, Nick, Loris
Team
Künstlerisches Leitungsteam: Lorenz Blaumer, Sebastian Caspar
Projektleitung: Lea Hladka
Musikalische Leitung: Sebastian Caspar, David Fernández, Helena Montag, Michael Riemer, Franziska Aller
Szenografie TU Berlin: Franziska Ritter (als Dozentin)
Lichtdesign Kantine feel:free: Arnaud Poumarat
Fotos: Stegreif – Frederik Ferschke, Osveh Heidari, Sophia Schölkamp, Franziska Ritter

























