Burkhard Lüdtke

Dozent für Modell+Design

Auf einem unscheinbaren Bauernhof, in einem Dorf bei Berlin, wurde ein Bäuerchen gemacht, das war ich. Das war aus meiner Sicht äußerst wichtig. Mit zwei Jahren flüchtete ich von „Russland“ nach „Amerika“ (meine Eltern nahm ich mit). Wir gründeten ein Start-Up-Unternehmen mit dem Werbeslogan „Brennholz für Kartoffelschalen.“ Weitere Geschäftszweige blühten im Handel mit Maiengrün, Blumenerde und Weihnachtsbäumen auf. 

Das Geschäft brummte. Bald besaßen wir eine gigantische Schweinezucht im Berliner Wedding, auf dem Hinterhof der Koloniestraße – mit immerhin 25 Schweinen. Ich folgte unterwürfig dem Motto „Bonbon und Spiele.“ Unser Zentrum war ein Bauernhof mitten in Berlin. In diesem riesigen Reich der Abenteuer und Wunder machte ich mich bereit für das, was man im Allgemeinen Leben nennt.

Es war eine Superkindheit – nur die Schule störte. Ich überließ meinen Eltern die Hühnerfarm an der Spandauer Heide. Ich wurde „Stardekorateur“ bei Woolworth und musste mit 17 erfahren, was es mit dem berühmten Satz „Wer zu spät lernt, den bestraft der Nachhilfeunterricht“ auf sich hatte. In meiner Freizeit war ich Mitglied einer Kirchengang und wurde brutal mit gymnasialer Schulbildung konfrontiert. Ich fing langsam an zu denken – und wer meint, denken zu können, muss auch studieren. Ich hab`s getan.

In einem Wahnsinnstempo hetzte ich durch mein dreiundzwanzigsemestriges Studium – immer im festen Glauben, eines Tages den heiligen Gral der gestalterischen Freiheit zu finden. Mit Heino, Bob Dylan und Donovan im Ohr fand ich einige Antworten der musikalischen Gestaltung – aber keinen Gral. In diesen Tagen war ich als „Blumenkind“ unterwegs, habe mich in die Antike Griechenlands und in ein singendes und gitarrenspielendes Hippiemädchen verliebt. Gemeinsam schrieben wir mehr als 50 Titel und ein warmes „Herzilein“ für die „eiskalte“ Musikbranche. Zum Glück gibt es Künstler wie Jürgen von der Lippe und Max Raabe. Sie machen die frostige Musik- und Bühnenwelt um ein paar Grad wärmer.

Für mich standen weltbewegende Fragen im Raum: Schlagersänger oder Professor?
Freier Künstler oder Studienrat? Malschule in Griechenland oder doch Designproduzent?

Ausgerüstet mit meinem Teilwissen, trat ich (erst einmal für 30 Jahre) meine Arbeit als Hochschullehrer an der Technischen Universität Berlin an. Die Ergebnisse meiner eigenwilligen und nicht immer bequemen Lehre wurden mit schier unendlichen Preisen und Auszeichnungen überhäuft … naja, es waren neun.Ich gründete das erfolgreiche Fach Modell+Design mit dem Schwerpunkt Design for all.
Ja, so verlief mein Weg vom Schweinestall in die Universität. Weiterhin komponieren meine Frau und ich „zukünftige Hits,“ ich berate das weiterhin bestehende Fach Modell+Design an der Technischen Universität Berlin, suche die Kunst … und schreibe natürlich mein Buch: „Vom Schweinestall in die Universität.“